Vom Saatkorn zum Saatgut
Saatgutgewinnung am Beispiel einer Rotkohlpflanze - Das erste Jahr

Rotkohl ist eine zweijährige Pflanze. Sie hat zur Saatgutproduktion einen zweijährigen Lebenszyklus. Im ersten Jahr ihres Lebens kann man ihre Frucht, ihren Kohlkopf essen. Wird dieser Kohlkopf im ersten Jahr nicht geerntet, dann wächst aus dem Kohlkopf im zweiten Jahr ein Saatgutstrauch, von dem man im September des zweiten Jahres Saatgut ernten kann. Ich habe Rotkohlpflanzen über zwei Jahre begleitet und möchte jetzt beschreiben, wie Saatgut gewonnen wird. Das erste Jahr einer Rotkohlpflanze

Pflanzenanzucht

Im April werden die Saatkörner in die Erde gelegt und angegossen. Innerhalb von ca. 4 Wochen wächst eine Jungpflanze heran. Das ist die sogenannte Jungpflanzenanzucht. Die Jungpflanzenanzucht für uns findet bei Familie Diener in Schülp statt. Die Jungpflanzenanzucht wird im Gewächshaus gemacht.

Bei uns auf dem Feld ist es im Frühling zu nass, um Jungpflanzen anzuziehen.

Kohlpflanzen

Im Mai bekommen wir unsere Pflanzen von der Familie Diener angeliefert. Die Pflanzen werden bei uns auf dem Betrieb ausgepflanzt.

Über das Jahr werden sie bei uns gehegt und gepflegt. Ab August fangen die Rotkohlpflanzen an, Köpfe zu bilden.

Selektion

Die schönsten Köpfe werden auf dem Feld gekennzeichnet. Wir machen es, indem wir einen Bambusstab an die Pflanze stellen. Im September ist bei uns Kohlernte. Während der Kohlernte werden die nicht markierten Kohlköpfe von der Pflanze abgeschnitten und in Kohlkisten in unseren Kühlhäusern eingelagert. Diese Kohlköpfe werden an den Naturkostfachhandel vermarktet.

Ernte der Mutterpflanzen

Die von uns gekennzeichneten Pflanzen, die Pflanzen, die dem Sortenbild am meisten entsprechen, also die schönsten aus dem Bestand, werden nicht abgeschnitten. Diese Pflanzen werden als ganze Pflanze geerntet. Das bedeutet, wir graben die komplette Pflanze aus.

Der Kohlkopf wird zusammen mit den Wurzeln in extra gekennzeichneten Kisten bei uns im Kühlhaus eingelagert. Damit die Wurzeln nicht austrocknen werden die Wurzelballen mit einer Erdkruste vor dem Austrocknen geschützt. Für die Erdkruste wird unsere tonige Erde mit Wasser angemischt und um den Wurzelballen getunkt.

Auch wenn wir feste Sorten züchten, sehen die Früchte des samenfesten Gemüses nicht homogen aus. Die Rotkohlköpfe haben alle die gleichen sortentypischen Merkmale aber sie sehen nicht alle gleich aus. Unterschiedliche Sorten werden für unterschiedliche Bedürfnisse gezüchtet. Auf unserem Betrieb bauen wir schwerpunktmäßig für zwei Bereiche Rotkohl an. Wir bauen Rotkohl an, der für die industrielle Verarbeitung gedacht ist, und wir bauen Rotkohl an, der für den Handel gedacht ist. Bei der Züchtung vom Industriekohl wird darauf geachtet, dass die einzelnen Pflanzen möglichst große Köpfe bilden und einen möglichst kleinen Strunk haben, denn der Strunk wird bei der Verarbeitung herausgebohrt. Bei der Handelsware wird darauf geachtet, dass er bei einem Idealgewicht zwischen 800 – 1000 g sein optimales Aussehen und Geschmack erreicht.

Winterruhe der Mutterpflanzen

Die Kohlköpfe ruhen im Winter bei uns im Kühlhaus bei 0,5 Grad.